Leserreaktion zum Profilartikel „Graue Gefahr", August 2009: Dieser führte auch zu zahlreichen Reaktionen, die zum Beispiel im Internet www.google.at/ nachzulesen sind.
Vom Vorsitzenden des ÖGB-Pensionistenausschuss bringen wir folgende aussagekräftige, fundierte Stellungnahme, der wir als Parteifreie Gewerkschafter Österreichs beipflichten.

 
Sehr geehrte Redaktion

 
Mit wachsender Verwunderung und zunehmender Verbitterung habe ich den Artikel „Graue Gefahr: Wieeine Kaste von Langzeitrentnern den Jungen die Zukunft stiehlt" gelesen. Begriffe wie „Alt, aber gierig", „maßlose Kaste von Frühpensionisten und Langzeitrentnern", „Bruch des Generationenvertrages" und „Diebstahl der Zukunft der Jugend" erzeugen ein Klima der Gehässigkeit, wie wir es zuletzt in den Jahren
2000 bis 2003 hatten. Zum Glück hat sich die Diskussion wieder mehr versachlicht. Jetzt soll sie offensichtlichwieder auf einer emotionellen Ebene geführt werden.

 
D
er Generationenvertrag ist ein Jahrtausend altes Übereinkommen, dass die noch nicht erwerbsfähige junge Generation ein Recht hat, von der erwerbsfähigen (mittleres Alter) erhalten zu werden und dann später die ältere Generation zu erhalten.
Dies geschah durch Jahrtausende im Familienverband und wurde im Industriezeitalter zum Teil durch eine staatliche Pensionsversicherung abgelöst. In diesem Sinn hat die ältere Generation ihren Teil des Generationenvertrages bereits erfüllt.

Das „Statistische Handbuch der österreichischen Sozialversicherung 2008" gibt sehr interessante Einblicke in die Lage der Pensionisten/Innen. So beträgt die durchschnittliche Alterspension zwar 1.216,– aber aussagefähiger ist die Höhe der Medianpension. 50% aller Alterpensionisten/Innen haben eine Pension – inkl. einer eventuellen Ausgleichszulage (das ist die umgangssprachliche Mindestpension) – von 1.037,–. Nimmt man nur die Frauen, so liegt dieser Betrag gar nur bei 741,– Für Bezieher/Innen von Invaliditäts- Erwerbsunfähigkeits-Pensionen liegt diese Zahl bei 831,- (insgesamt),bzw. 597,– (Frauen).
Insgesamt beziehen 239.515 Personen eine Ausgleichszulage („Mindestpension").
Ich würde den Autoren dieses Artikels dringend empfehlen diese Einkommen mit ihren eigenen Einkommen zu vergleichen und zu überlegen, wie viele Tage sie damit ihren Lebensaufwand finanzieren könnten. Da ist wohl die verkehrte Frage berechtigt, was mache ich am Ende des Geldes mit dem restlichen Monat.

Im Artikel wird manipulativ beklagt, dass angeblich laut jüngster Statistik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit 2008 mehr als 18.000 Senioren Opfer von Sportunfällen wurden. Seit vielen Jahren werden Kampagnen für ein gesünderes Leben mit mehr Bewegung gegen Übergewicht, Bluthochdruck, Herzinfarkt usw. organisiert. Offensichtlich soll dieses Mindestmaß an sportlicher Betätigung nicht für die ältere Generation gelten. Ich habe den Eindruck den Autoren schwebt ein Bild der älteren Generation vor, dass Pensionisten sich auf das Ofenbänkchen zu setzen haben und aufs Sterben zu warten. Die Vorstellung, dass es ein Recht gibt, in Würde zu altern, existiert offensichtlich nicht in dieser Gedankenwelt.
Erwähnt sei nur, dass 331.929 Personen Pflegegeld beziehen und damit kaum „sportunfallgefährdet" sind.

Ich war 42 Jahre in der Pensionsversicherung tätig und war Direktor in der Pensionsversicherungsanstalt. Ich glaube daher mit Berechtigung sagen zu können, dass ich von dieser Materie etwas verstehe, vermutlich wesentlich mehr als die selbsternannten Pensionsexperten z.T. in Form von Universitätsprofessoren. Einer davon, der sich immer lautstark zu Wort gemeldet, die Pensionisten bekämen zu viel, hat als er pensioniert wurde sofort dagegen geklagt, dass seine jährliche Pensionsanpassung zu gering sei.
Ein letztes Wort noch zu dem grandiosen Vorschlag der „Pensionsautomatik". Ich selbst war einer der diesen Vorschlag vehement bekämpft hat, weil er undemokratisch (Ausschaltung des Parlaments) und unsozial ist. Im Regierungsprogrammist ein „Pensionsmonitoring" vorgesehen, mit dem wir einverstanden sind.
Ich darf daher hoffen, dass dieser Artikel ein einmaliger Ausreißer ist und verbleibe
 
Hochachtungsvoll Werner Thum

 
Vorsitzender der ÖGB-Pensionisten