Am Stammtisch kann man in letzter Zeit immer wieder kritische Stimmen hören, die sich über die große Werbeaktivität der Arbeiterkammer negativ äußern. In den verschiedenen Medien wie Zeitungen und Rundfunk (z.B.Stauflieger) hat es vielfach den Anschein, die Meldungen dienen hauptsächlich der Selbstdarstellung der AK. Die Arbeiter und Angestellten werden darüber informiert, oder es erweckt den Eindruck, die Arbeiterkammer sei ihre einzige Interessensvertretung. Sie bittet einen umfang­reichen Rechtsschutz bis zum OGH an.  Hunderte Juristen/innen stehen den AK Mitgliedern kostenlos mit Rat und Tat zur Seite. Mit sieben Auflagen pro Jahr werden alleine in Oberösterreich  kostenlos 547. 000 Exemplare eines AK Reportes an die Haushalte per Post  versandt. Es stellt sich daher für die Arbeit­nehmer/innen die Frage, wozu brauchen wir dann  die Gewerkschaft und Betriebsräte?
 
Bekanntlich ist Österreich ein ausgeprägter Kammerstaat innerhalb der EU (Ärztekammer, Wirtschaftskammer, Apothekerkammer, Bau­ern­kammer, Ingenieurkammer, Rechtsan­walts­kammer usw.), was es in den anderen EU Ländern so nicht gibt. An alle Kammern müssen aber  Pflichtbeiträge geleistet werden, so auch an die AK (0,5 %) und die Ge­werkschaft ist eine  freiwillige Sache. So darf es einen nicht wundern, dass bei so einer großen Werbeflut der Arbeiterkammern die Gewerk­schaften mit ihren Mitgliedern stagnieren. Einen großen Schaden fügte zusätzlich  der BAWAG  Skandal der Gewerk­schaftsbewegung zu. Indem auch hohe ÖGB Funktionäre involviert sind, ist der Name Ge­werk­schaft  leider nun  negativ in der Bevölkerung ver­ankert. Die Gewerkschafts­spitze müsste sich doch einmal mit der Arbeiterkammerspitze einigen, wer die wahren  Arbeitnehmervertreter an der Basis sind! Gerade in einer globalisierten Zeit brauchen wir die Gewerkschaften, die weltweit in einem Netzwerk solidarisch wirken! In Österreich freut sich lediglich die Werbewirtschaft mit erträglichen Ein­schalt­ungen der Arbeiter­kammern (Mitglieds­beiträgen)  in den Medien. So haben es die ehrenamtlichen Beleg­schafts­vertreter wirklich nicht leicht neue Arbeit­nehmer/innen von der Gewerkschaft zu über­zeugen, wenn die AK für alles Rat und Hilfe (z.B. auch  Konsumenten­information) kostenlos anbietet.
Es wäre daher endlich an der Zeit die Arbeiterkammern zu reformieren, bis hin zur Beitragssenkung, wenn sie zuviel Geld für Werbung haben. Die Arbeiterkammer ist bestimmt eine wichtige Interessensinstitution für Arbeiter und Angestellte, nur sollte sie nicht der Gewerkschaft den Rang  als Arbeit­nehmer­vertreter ablaufen. Die Arbeiterkammern sollten mehr Beiträge mit Überzeugungsarbeit für einen starken ÖGB leisten.
Niko Slavicek, Gramastetten, OÖ